Ich bin single, aber warum?

Ich habe lange Zeit daran geglaubt… Liebe auf den ersten Blick! Warum? Weil ich nie verliebt war. Ich dachte, das passiert einfach. BOOM und mein future Ehemann steht vor meiner Tür.

Irgendwann kam er dann ums Eck und ich musste mich erstmal an meiner Freundin festhalten. Tausend Gedanken waren in meinem Kopf und ich, die normalerweise immer viel zu viel redet, habe kein Wort rausbekommen. Und mein Gedanke „Liebe auf den ersten Blick“ hat sich bestätigt…. bis ich ihn kennen gelernt habe. Liebe auf den ersten Blick? In was verliebt man sich da? Genau, in die Optik! Genau so schnell wie das BOOM  gab es auch wieder ein PUFF  und weg waren die Gefühle.

Vielleicht liest du das gerade alleine in deinem Bett, mit einer Tüte Chips und denkst dir: „Ich dachte schon, ich bin die einzige gefühllose Nuss auf dieser Welt.“ Ich muss gestehen, das ich mir das jedes Mal denke, wenn ich an einem Pärchen vorbei gehe, das gerade dabei ist, sich in freier Wildbahn aufzuessen. Aber nein, du und ich, wir sind nicht alleine. Aber ich glaube das viele von uns ein ganz großes Problem haben! Wir Leben in einer Welt, die von social Media beherrscht wird. Und ich habe in letzter Zeit immer wieder mitbekommen, dass viele meiner Bekannten meinten: „Dein Leben ist so toll! Du lebst das Leben das ich mir wünsche. Reisen, chilln, Fotos machen…“ Wenn ich dann Antworte: „Hm naja, also ich probier mein Leben positiv zu leben, aber es ist nicht immer so rosig.“ kommt als Gegenargument: „Aber ich seh´ doch auf deinem Blog wie toll das ist!“ ACHTUNG: Kurzer spoiler Alarm!!! Niemand will sehen wie ich im Bett sitze, mir klischeehaft das dritte Eis reinziehe, Rotwein schlürfe und zu trauriger Musik weine, oder? (Ok, gaaanz so schlimm ist es bis jetzt noch nicht gewesen, ich mag keinen Rotwein! ????)

„Ok, was hat das jetzt mit dem „ganz großen Problem“ zu tun?“ Eine kleine Denkaufgabe an alle Singles die auf der Suche sind: Was soll das Gegenüber haben? Gut ausschauen. Sportlich sein, aber nicht zu sehr. Kochen können. Singen können. Mit meiner Familie klar kommen. Humor haben. Braune Haare? Oder vielleicht doch eher blond, aber braune Augen. Groß, aber nicht zu groß… Wir wollen jemanden der wie ein Rahmen für uns ist. Der uns noch schöner macht, als wir eh schon sind. Jemanden über den unsere Freundinnen sagen: „Uuuuh ist er Model?“ und unsere Kumpels: „Wie zum Teufel hast du die abbekommen, Bro?“ Wir wollen genauso eine tolle Beziehung haben, wie die ganzen Instagram-Couples.  Wir denken, dass dieser eine Moment, den sie mit ihrer Kamera festgehalten haben, ihren ganzen Tag beschreibt. Knutschend am Strand in Bali, bei Sonnenuntergang. Vielleicht haben sie sich genau zehn Minuten danach so sehr gestritten, dass er am Sofa schlafen musste. Wir werden es nie erfahren, weil wie gesagt: niemand will die hässlichen Momente anderer sehen. Wir probieren nicht mehr, weil wir durch Social Media eingetrichtert bekommen, dass es Paare gibt, bei denen alles perfekt ist.Das wollen wir natürlich auch!  Also was machen wir sobald unser Gegenüber dann einen Fehler hat? Wir machen Schluss. Und genau das ist unser Problem. Das sobald es zu anstrengend wird, oder wir uns das Ganze anders vorgestellt haben, gehen wir und lassen alles fallen.

Ich will damit nicht sagen, dass du krampfhaft an einer Beziehung festhalten sollst, wenn sie dich nicht glücklich macht, aber gib nicht gleich auf, nur weil dein Gegenüber nicht zu 100% perfekt ist.


Letztens wurde ich gefragt: „Hast du einen Freund?“ Antwort: „Nein.“ Der Mund des Mädchens wurde erst zu einem O und dann zu einem komischen Kräuseln. Sie schaute mich mitleidig an und fragte: „Warum?“

Warum bin ich single? Ich könnte genauso gut jede dritte meiner Freundinnen fragen, warum sie mit einem Idioten zusammen ist. Die Antwort weiß ich: „Ich habe Angst alleine zu sein.“ Und während viele Leute auf der Suche sind, ihre Zweite, ja ihre bessere Hälfte zu finden, sitze ich hier und bin ein Ganzes und einfach glücklich mit mir selber. Und irgendwann finde ich ein anderes Ganzes, weil ich glaube, dass jeder Topf seinen Deckel findet. Also stress dich nicht, sei deinen Gefühlen treu, weil die Wissen meistens ganz gut wer zu dir passt und wer nicht.


Falls du es bis hier her geschafft hast: Congrats!:) Vielleicht hat es dich zum Nachdenken angeregt und wenn du einen Gedanken teilen möchtest, feel free to leave a comment!

4 thoughts on “Ich bin single, aber warum?

  1. Hi Süße!
    Gut gebrüllt Löwin und danke für deine Ehrlichkeit.
    Ganz ungebeten, gebe ich meinen Senf nun auch noch ergänzend dazu.

    Bin zwar kein Beziehungstherapeut, aber habe schon einiges an Lebensschule hinter mir:

    Zur Frage, warum Single, warum so lange Single, warum Mr oder Mrs Right suchen, warum nicht fündig werden???
    1.) Zuerst muss man mal anfangen sich selbst zu lieben. Nein, nicht sich gut finden, nicht sich rausputzen, … sondern sich selbst lieben. Und wie schwer das ist!!! Mit ganzem Herzen zu allen Stärken UND Schwächen JA zu sagen, und dabei zu wissen, dass man als Unperfekte oder Unperfekter dennoch gewollt und geliebt ist!
    Es heißt ja, liebe deinen nächsten wie dich selbst…. also muss man wohl bei sich selbst anfangen!
    2.) Mr oder Mrs Right sind nicht zur Erfüllung der eigenen Wünsche da. Das wird scheitern! In Anbetracht der eigenen Fehlbarkeit einen Menschen zu erkennen, der ebenso unperfekt ist, wie man selbst, und dabei zu entdecken, dass man dem anderen dabei einfach zur Seite stehen will spricht viel mehr von Liebe, als jedes Liebesklischee.
    3.) Niemand ist unvollkommen, nur weil er kein Gegenüber hat!
    4.) 1+1=1 …. und dennoch 2

    DU BIST EINE TOLLE 1 ….! 😀
    HUG

  2. Ich wollte nur einen kleinen Aspekt kommentieren, nämlich die Einstellung „Das will ja keiner sehen, wenn man traurig ist“ die zweimal vorkommt. Gerade in einem Text über (Selbst)liebe ist das vielleicht wichtig sich die Frage zu stellen: „will das wirklich niemand?“ Weil zum akzeptieren von sich selbst, wie du auch schreibst, gehört ja auch das Akzeptieren von seinen Schwächen und der Gedanke – „meine Schwäche ist hässlich, die darf ich niemandem mitteilen“ ist schon sehr schädlich,und führt im Endeffekt auch zur Einsamkeit, weil man sich ja quasi in eine freiwillige Isolation schickt wenn man sich anderen verheimlicht.

    Natürlich ist es nicht notwendig, auf einem Blog sein Herz auszuschütten, vielleicht sind die Leute die deine Sachen lesen wirklich nicht interessiert an deiner Traurigkeit und du besprichst eben lieber mit deinen Freunden solche Sachen.

    Es gibt aber auch zahllose Blogger die sehr viel darüber schreiben wie schlecht es ihnen geht und Leute suchen sich ja dann genau diese Blogs aus – meistens weil sie sich in der Traurigkeit verstanden fühlen. Und es gibt eben sehr viele traurige und einsame Leute und je mehr Leute das von sich zugeben und darüber reden, desto mehr Verständnis wird jeder für sich selbst und für andere haben = insgesamt weniger Traurigkeit.

    Und deswegen wollte ich das jetzt auch schreiben, weil ja gleich mehrere Leute von dir die Meinung mitbekommen „meine Schwäche will niemand sehen.“ Auch wenn es wahrscheinlich eh nicht generell gemeint war. Aber solche Sätze sind sehr leicht misszuverstehen.

    Liebe Grüße
    Z.

    (Das Z. steht für Zorro)

    1. Danke für dein Feedback! Du hast absolut recht damit, und mit meiner Aussage „die hässlichen Momente will niemand sehen“ wollte ich nicht sagen, dass sie wirklich NIEMAND sehen will, sondern wir uns vor solchen Themen meistens verschließen. Wir fühlen uns oft mehr angesprochen durch schöne Bilder, die uns ein bisschen eifersüchtig machen. Und das ist was eben viele berühmte Social Media Couples machen: schöne Bilder posten, damit wir denken sie haben ein perfektes Leben und wir wollen das auch. Weil sobald sie etwas „hässliches“ posten würden, würden sicher ein paar Leute nicht mehr davon angezogen sein.
      Finde deinen Kommentar aber sehr gut und hat mich gefreut von dir zu lesen!
      Alles Liebe, Clea

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